Pädagogisch-psychologische Praxis

Individuelle Lerntherapie im Therapieraum Bauernhof

Lese-Rechtschreibschwäche - LRS - Legasthenie

Hat mein Kind vielleicht eine LRS oder warum klappt das in der Schule mit dem Lesen nicht? Diese Frage habe ich mir auch gestellt, als bei einer meiner Töchter Leseprobleme auftraten. Doch woran kann man eine LRS erkennen? Eine LRS kann man erst diagnostizieren, wenn ein Kind ausreichend lange zur Schule gegangen ist.

Standardisierte Tests zur Diagnose von Leseschwächen gibt es erst für Kinder gegen Ende des ersten Schuljahres. Schon im Laufe des ersten Schuljahres fallen jedoch bestimmte Probleme auf.

Was fällt Ihnen bei Ihrem Kind auf? ja nein
Mein Kind hatte/hat Sprachprobleme.
Lange und schwierige Wörter (z.B. Kriterium, französisch) kann es kaum nachsprechen.
Es muss lange überlegen, welcher Buchstabe das ist.
Seltene Buchstaben (qu, y) vergisst mein Kind öfter.
Manche Buchstaben, z.B. "b" und "d" verwechselt es sehr oft.
Es hat große Probleme die Buchstaben zu Lauten und Silben zusammenzuschleifen.
Mein Kind muss sich beim Lesen übermäßig anstrengen.
Es liest sehr langsam und meist stockend.
Meist erliest es sich ein Wort erst leise und liest es dann laut vor.
Lange und kurze Vokale werden nicht berücksichtigt, es liest z.B. im statt ihm.
Es lässt Teile von Wörtern weg und liest häufig die Endungen nicht.
Wörter werden ausgelassen, z.B. nicht, kein, vor.
Wörter werden ergänzt, z.B. ausschneiden statt schneiden.
Wörter werden durch andere ersetzt, die sinngemäß passen könnten, z.B. "vor dem Fenster waren Gardinen" statt "vor dem Fenster waren Geranien"
Manchmal werden Wörter einfach erraten.
Fragen zum Text können nicht beantwortet werden.
Das Kind kann das Gelesene nicht mit eigenen Worten wiedergeben.
Zusammenhänge im Text werden nicht erkannt.
Es hat einfach ständig keine Lust mit ihnen zu Lesen.


Standardisierte Tests zur Diagnose mangelnder Rechtschreibleistung gibt es bereits für die Mitte des ersten Schuljahres.
Doch auch im Bereich der Rechtschreibung fällt den meisten Eltern einiges auf, wenn sie die Kinder bei den Hausaufgaben beobachten.

Was fällt Ihnen bei Ihrem Kind auf? ja nein
Mein Kind schaut immer wieder ins Buch und malt Buchstabe für Buchstabe ab.
In den Wörtern fehlen häufig Buchstaben, z.B. Bsen statt Besen
Die Endungen sind meistens fehlerhaft, z.B. Wassa.
Auch einfache lautgetreue Wörter (z.B. Rose) werden falsch geschrieben.
Die Laut-Buchstabenzuordnung klappt kaum, es werden willkürlich Buchstaben geschrieben.
Oft werden ähnlich klingende Laute falsch geschrieben, z.B. Plume statt Blume.
Auch einfache, immer wiederkehrende Wörter wie "und" werden sehr häufig falsch geschrieben.
Schwierige Wörter werden auch nach häufigem Üben immer wieder falsch geschrieben, z.B. faren.
Die Fehleranzahl in den geübten Diktaten ist überdurchschnittlich hoch.
Beim freien Schreiben kleiner Texten ist manchmal kein Wort zu entziffern.
Im Satzbau treten beim Schreiben Probleme auf.
Dativ- und Akkusativendungen sind selten richtig, z.B. "ich sehe dem Mann" oder "ich gebe den Hund den Knochen".
Das Kind muss sich beim Schreiben sehr anstrengen, Erstklässler bewegen manchmal den Mund unwillkürlich mit.
Es hat eine verkrampfte Schreibhaltung.
Die Schrift ist äußerst unleserlich.
Das Kind ermüdet sehr schnell beim Schreiben.

Wenn Sie bei den allermeisten Fragen mit "ja" antworten konnten, sollten Sie Ihren Verdacht diagnostisch abklären lassen. Wie oft sind Sie mit Ihrem Säugling zum Kinderarzt gegangen, weil sie nicht wussten, ob es eine Erkältung oder schon eine Bronchitis war? Wie oft haben Sie hinterher gedacht: "Der Weg war eigentlich nicht notwendig!", weil alles in Ordnung war.

Sollten Sie bei dem Verdacht auf eine LRS nicht genauso aktiv werden? Im schlimmsten oder besser günstigsten Fall ist es keine LRS. Ist es aber doch eine LRS, haben Sie Gewissheit und können Ihrem Kind helfen.

Die Lese- und Rechtschreibstörung ist unter der Nummer F81.0 in der internationalen Klassifikation der WHO (Weltgesundheitsorganisation) als umschriebene Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten verzeichnet. Eine starke Beeinträchtigung des Lesens ist das Hauptkriterium für diese Diagnose. Die Schwierigkeiten im Lesen dürfen nicht durch das Entwicklungsalter, unangemessene Beschulung, Sehprobleme oder Intelligenzminderung erklärbar sein.

Im Zusammenhang mit den Problemen bei Lesen taucht häufig eine Rechtschreibstörung auf . Die Rechtschreibstörung bleibt oft bis ins Jugendalter erhalten, auch wenn die Lesefertigkeiten und -fähigkeiten sich deutlich verbessert haben. Ganz selten ist eine isolierte Rechtschreibstörung, aber es gibt sie auch. Dann können die Kinder zwar ausreichend gut lesen, haben aber starke Probleme in der Rechtschreibung.

Verfahren zur Feststellung einer Lese-Rechtschreibschwäche

Das multiaxiale Klassifikationsschema der Störungen im Kindes- und Jugendalter nach ICD-10 (Internationale Klassifikation von Erkrankungen/Störungen) ist die Grundlage der Diagnostik.
In den meisten Fällen wird es auch eingefordert, wenn von staatlicher Seite eine Lerntherapie finanziell unterstützt wird.

Danach müssen folgende Bereiche untersucht werden, um eine sichere Diagnosestellung zu garantieren:

  1. psychische Gesundheit
  2. Sprache, Lesen und Schreiben
  3. Intelligenzniveau
  4. körperliche Gesundheit (u.a. Hören und Sehen)
  5. aktuelle Lebensumstände
  6. psychosoziale Anpassung

Konkret bedeutet es, dass ein Kinderarzt die körperliche Gesundheit überprüfen muss, evtl. muss ein Pädaudiologe oder Augenarzt zusätzlich konsultiert werden.
Die Bereiche der psychischen Gesundheit, aktuellen Lebensumstände und psychosozialen Anpassung müssen von einem Psychologen oder Kinder- und Jugendpsychotherapeuten überprüft werden.
Die Bereiche Sprache, Lesen, Schreiben und Intelligenz können von Psychologen und auch von erfahrenen Pädagogen/Förderschullehrern untersucht werden.
Alle Bereiche zusammen werden beim Kinder- und Jugendpsychiater oder in einem sozialpädiatrischen Zentrum untersucht: also eine Anlaufstelle für alle zu überprüfenden Bereiche.

Eine Teilleistungsstörung liegt nur vor, wenn zwischen Intelligenz und Leistungen im entsprechenden Bereich ein nicht unerheblicher Unterschied besteht, sonst handelt es sich um Lernprobleme aufgrund einer allgemeinen Intelligenzminderung oder unangemessenen Beschulung.

Falls Sie Testungen vorliegen haben, die nur die Lese- oder Rechtschreibleistung überprüft haben - vielleicht auch die Intelligenz getestet - und deshalb die Diagnose einer LRS gestellt haben, wissen Sie jetzt, dass dieses keine anerkannte LRS-Diagnose ist.

Wenn Ihr Kind krankenversichert ist und Sie Ihr Kind von einem Kinder- und Jugendpsychiater oder in einem sozialpädiatrischen Zentrum untersuchen lassen möchten, genügt einfach ein Anruf beim Kinder- und Jugendpsychiater/sozialpädiatrischem Zentrum und eine Terminvereinbarung.
In manchen Fällen wird eine Überweisung vom Kinderarzt gewünscht, jedoch nicht immer.

Wenn Sie weitere Fragen haben, rufen Sie mich an oder mailen Sie mir.

© 2009 | Dr. phil. Ruth Hölken, Dipl.-Päd. - Hölkenbusch 121 48161 Münster - Tel. 01573/9087593 - info@muenster-lerntherapie.de